Neue Studie: Wie elterliches Verhalten mit der Entwicklung des Gehirns zusammenhängt
Wie sich elterliches Verhalten im Laufe der Kindheit verändert und wie es mit der Entwicklung wichtiger Hirnstrukturen zusammenhängt, untersucht eine neue Studie von Doktorandin und Erstautorin Mirjam Habegger und einem Forschungsteam des NMR Kids Lab unter der Leitung von Prof. Nora M. Raschle.
Die Ergebnisse basieren auf Verhaltensdaten von über 1’400 Kindern und Jugendlichen, MRT-Daten einer Subgruppe dieser Stichprobe im späten Jugendalter sowie auf einer zusätzlichen MRT-Studie mit 40 Kindern. Sie zeigen: Sowohl unterstützendes Verhalten von Eltern, etwa Lob oder Zuwendung, als auch problematisches Verhalten nehmen mit zunehmendem Alter der Kinder insgesamt ab. Dies berichten Eltern und Kinder übereinstimmend.
Auch Zusammenhänge mit der Hirnentwicklung wurden sichtbar: Positives elterliches Verhalten stand mit der Entwicklung der Amygdala in Verbindung, einer Hirnregion, die eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt. Interessanterweise zeigte sich dieser Zusammenhang je nach Alter in unterschiedlicher Richtung. Negative elterliche Verhaltensweisen wie körperliche Bestrafung waren hingegen mit Unterschieden in einer präfrontalen Hirnregion verbunden, die für Selbstkontrolle und Emotionsregulation wichtig ist; dieser Befund zeigte sich jedoch nur im Kindesalter.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass elterliches Verhalten mit der Hirnentwicklung zusammenhängt. Solche Zusammenhänge zeigen sich nicht nur bei extrem belastenden Erfahrungen, sondern bereits bei Unterschieden im elterlichen Verhalten im normalen Alltag. Zudem scheinen sie je nach Entwicklungsphase unterschiedlich auszufallen.
Die Studie entstand im Rahmen des NMR Kids Lab und der neurowissenschaftlichen Einheit des Jacobs Center for Productive Youth Development (JCPYD), in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Neuroökonomie Zürich (ZNE) am Department of Economics der Universität Zürich sowie der Langzeitstudie z-proso.