Muster des Substanzkonsums vom Jugendalter in das junge Erwachsenenalter bei sexuellen Minderheiten und heterosexuellen Jugendlichen
Eine neue Studie unter der Erstautorschaft von Dr. Clarissa Janousch aus zeigt, dass junge Menschen, die gleichgeschlechtliche Anziehung erleben, Substanzen anders konsumieren als ihre heterosexuellen Altersgenossen – und dass diese Unterschiede je nach Geschlecht verschieden ausgeprägt sind und sich im Laufe der Zeit verändern. Die Studie begleitete Teilnehmende des Zürcher Projekts zur sozialen Entwicklung von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter (z-proso) im Alter von 17 bis 24 Jahren.
Eine neue Studie unter der Erstautorschaft von Dr. Clarissa Janousch (Karolinska Institutet, Department of Global Publich Health) aus der Forschungsgruppe Risk and Resilience des Jacobs Center (Leitung: Prof. Lilly Shanahan) und der UZH Forschungsgruppe Experimentelle Pharmakopsychologie und Psychologische Suchtforschung (Leitung: Prof. Boris Quednow) zeigt, dass junge Menschen, die gleichgeschlechtliche Anziehung erleben, Substanzen anders konsumieren als ihre heterosexuellen Altersgenossen – und dass diese Unterschiede je nach Geschlecht verschieden ausgeprägt sind und sich im Laufe der Zeit verändern. Die Studie begleitete Teilnehmende des Zürcher Projekts zur sozialen Entwicklung von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter (z-proso) im Alter von 17 bis 24 Jahren.
Bei Angehörigen sexueller Minderheiten (SM) weiblichen Geschlechts war der Substanzkonsum bereits mit 17 Jahren erhöht, erreichte um das 20. Lebensjahr seinen Höhepunkt und stabilisierte sich anschliessend. SM-Männer starteten auf einem vergleichsweise tieferen Niveau, verzeichneten zwischen 20 und 24 Jahren jedoch einen deutlichen Anstieg und wiesen schliesslich die höchsten Raten an Polysubstanzkonsum aller Gruppen auf. Heterosexuelle Frauen berichteten durchgehend den geringsten Konsum.
SM-Jugendliche berichteten zudem häufiger von psychischen Belastungen und Mobbing-Erfahrungen. Diese Faktoren erklären einen Teil des erhöhten Substanzkonsums – im Einklang mit dem Minority Stress Model, das chronische Stigmatisierung und Diskriminierung mit erhöhter Vulnerabilität in Verbindung bringt. Allerdings blieb der SM-Status auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren ein bedeutsamer Risikofaktor, was auf zusätzliche Einflüsse hindeutet.
Die Ergebnisse weisen auf klare Zeitfenster für gezielte Massnahmen hin: SM-Frauen benötigen Unterstützung bereits ab der frühen Adoleszenz, während für SM-Männer der Übergang ins junge Erwachsenenalter besonders kritisch ist. Die Studie plädiert für LGBTQ+-inklusive Präventionsstrategien in Schulen, Jugendzentren, der psychologischen und medizinischen Grundversorgung sowie weiteren Anlaufpunkten für Jugendliche.
Janousch C, Vock F, Winter BL, Hässler T, Eggenberger L, Bechtiger L, Loher M, Binz TM, Baumgartner MR, Ribeaud D, Eisner M, Quednow BB, Shanahan L. How do substance and polysubstance use trajectories differ by sexual attraction from ages 17 to 24? A community-based longitudinal cohort study in Switzerland. BMJ Public Health 2026;4:e003583. Open access